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80 Joohr

Zigüner-Clique Stette

80 Johr isch a langi Zit…


Bei einer geselligen Runde im Stettemer Gasthaus „Sternen“ fassten am „Schmutzige Dunschtig“ 1936 ein paar Stammgäste – mit Fritz Schäfer an der Spitze – den Entschluss, eine Fasnachtsclique zu gründen. Schnell einigte man sich, als Zigüner an der Lörracher Straßenfasnacht teilzunehmen. Dass damit der Grundstein für eine der größten Lörracher Fasnachtscliquen gelegt wurde, daran hat in jenen Tagen wohl niemand gedacht.

Heute gehören der Zigüner Clique Stette 19 aktive und über 150 passive Mitglieder an. In den ersten Jahren trat die Clique an den Umzügen immer als Zigeuner auf. Da damals fast alle Cliquenmitglieder Stammgäste des Sternen waren, spielten sich die Umzugsvorbereitungen, wie Schminken, dort ab. Für das Fasnachtskostüm musste schon damals jeder für sich selbst sorgen, oder es bestand die Möglichkeit, sich vom Nähteam einkleiden zu lassen. (Dies wird heute noch so praktiziert) Doch bei Bedarf wurde ein Ballen Stoff besorgt und jeder konnte sich davon etwas abschneiden. Nach dem Krieg hätte sich die Clique beinahe aufgelöst, wenn nicht Familie Siebeck als Zigünervertreter am Umzug mit seinem Handwagen mitgelaufen wäre.


Ende der 50er Jahren wurde zum ersten Mal das Fasnachtssujet ausgespielt. Seit Berthold Panzer 1960 als neuer Zigeunerbaron gewählt wurde, ging man fortan nur noch an Narrentreffen und Jubiläumsjahren als Zigüner. In den übrigen Jahren konzentrierte man sich auf den Wagenbau und versuchte, das Fasnachtsujet entsprechend witzig und tiefsinnig darzustellen. Die zahlreichen ersten und zweiten Preise, die die Clique dabei erzielen, zeugen vom Ideenreichtum und handwerklichem Geschick der Mitglieder.
 

Das früher überall beliebte Sommerfest im „Sternenhof“ beim Gasthaus „Sternen“ wurde durch die Teilnahme am „Stettemer Strooßefescht“ ersetzt. Jährlich wurde für das Straßenfest rund um das Gasthaus „Sternen“ ein überdachter Innenhof gebaut. Ebenfalls fand die Fasnachtsverbrennung dort statt. Das Gasthaus „Sternen“ war immer Ausgangspunkt und Ziel jeder Veranstaltung.
 

In den 80er Jahren durfte die Zigüner Clique mit dem Einverständnis der damaligen Gießerei Trickes (Inzlinger Straße 51) und der Stadt Lörrach hinter der Gießerei (auf dem Grundstück der heutigen Freien Waldorfschule) einen Schuppen bauen für die „Requisiten“ und andere Dinge, wie den Wagenbau. Hier traf sich die Clique zum Feiern, Schminken und Arbeiten. Die Kantine der damaligen Gießerei, im Obergeschoß des heutigen Werkhauses der Freien Waldorfschule, stand in Jubiläumsjahren zum Schminken und Feiern im großen Stil (mit den Passivmitgliedern) zur Verfügung.
 

Mit der Schließung des Gasthauses „Sternen“ fing die „Wanderschaft“ der Zigüner an. Als Stammlokal hatte man zunächst das Gasthaus „Vorstadt“, dann die Weinstube Kaiser und schließlich der Kohlenkeller. Bei den Gasthäusern ist es wichtig, dass dort auch das Zigüner- Fasnachtsfeuer gemacht werden kann. Auch beim Wagenbau leben wir Zigüner wie die echten Zigeuner – jedes Jahr an einem anderen Ort: nach der Gießerei Trickes (Inzlinger Straße) bei der Firma Greiner (Wiesentalstraße), später bei den Firmen Irion (Weiler Straße) Pfaff (Ob der Gaß, hinter der Tankstelle „Auto-Service-Bund“), Schmidt – Mulden (beim Bahnhof Stetten), beim Munyhof (an der Wallbrunnstraße gegenüber dem Engelplatz), Metallbau Hoffmann, später Metallbau Ginz (Kreuzstraße) und Familie Engler (Schulstraße). Für das Stettemer Strooßefescht fanden wir zunächst mit dem Hof der damaligen Bäckerei Ophoven unsere Bleibe. Bis heute sind wir im Gemeindehaus St. Fridolin, um unsere Gäste zu bewirten.
 

Jährlich eine Woche vor dem Umzug in Lörrach fand der über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Zigünerball statt. Zuerst in der damaligen Reithalle auf dem Niederfeldplatz, in die sogar damals ein Zigüner hoch zu Ross in die Halle einritt (man hatte dem Pferd Teppichreste um die Hufe gebunden). Später wurde der Zigünerball im Adler-Saal des Gasthauses „Adler“ in der Fridolingasse veranstaltet. Heute befindet sich dort das Gasthaus „Adlerfass“ Als der Adler-Saal im Jahre 1971 geschlossen wurde, fanden die Zigüner in den Kellerräumen auf dem blanken Betonboden der Firma Greiner in der Wiesentalstraße Unterschlupf. 1972 fand man keine Halle und der Ball musste ausfallen. Im nächsten Jahr wurde der Ball in der „neuen“ Fridolinturnhalle und im Fridolinkindergarten (alter Gemeindesaal) durchgeführt. Heute gibt es keinen Zigeunerball in Lörrach mehr. Stattdessen wurde bis 2014 ein Hemdglunkiball mit den Schrobbechöpf Stette (einer befreundeten Clique) veranstaltet. Im Jahr 2015 wurde der Hemdglunkiball gemeinsam mit der Guggemusik 53 Lörrach durchgeführt. Im Jubiläumsjahr findet kein Hemdglunkiball statt.
Als Treffpunkt für Versammlungen und Abstellraum haben wir heute unser „Rümli“ einen kleinen Raum über der Turnhalle der Fridolinschule.
 

Seit 1967 zählt das Zigüner Zischdig Zügle (ZZZ) zu den fasnächtlichen Höhepunkten im Cliquenleben. Am Fasnachtdienstag treffen sich die Zigüner, jeder mit einem Musikinstrument ausgerüstet, um „musizierend“ durch Stetten zu laufen. Gegen Mitternacht führt der Weg zu dem Ort, wo zusammen mit den anderen Cliquen Mitglieder und Freunde der Fasnacht, die Fasnachtsverbrennung stattfindet.